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Was ist Kirche?

Es gibt mithin der Menschheit ein Phänomen, welches „Kirche“ zu nennen man sich geeinigt hat. Die Bennung des Inhalts dieses beschriebenen Phänomens ist aber ähnlich schwierig wie es beispielsweise der Versuch einer Bestimmung der spezifischen Eigenschaften des „Staats“ war. Während sich der „Staat“ heute durch ein „Staatsgebiet“ auszeichnet, auf dem er mit legitimierter „Staatsgewalt“ das Zusammenleben eines „Staatsvolks“ ordnet, ist eine solche Bestimmung für die Kirche bisher schwierig.

Es ist heute für die meisten selbstverständlich, dass „Kirche“ nicht „Staat“ ist. Was für eine plurale Gesellschaft kein gewaltiger Sprung mehr zu sein scheint, ist es aber in Wirklichkeit noch immer. Denn die Aussage impliziert, dass „Kirche“ eben nicht durch ein „Kirchengebiet“ ausgezeichnet wird, auf dem es mithilfe legitimierter „Kirchengewalt“ das Zusammenleben eines „Kirchenvolks“ ordnet. Stattdessen wird „Kirche“ als funktionelle Dimension neben anderen innerhalb eines Menschen verstanden. Diese funktionelle Dimension von „Kirche“ wird je nach Vorliebe moralisch, soziologisch oder auch telelogisch gerichtet: „Kirche“ kann der Erziehung oder Selbstbestätigung der Menschen dienen, oder als moralische Instanz Orientierung geben, wo der ethische Pluralismus moderner „Staaten“ die letztgültige Begründung für ethisches Handeln verhindert. „Kirche“ kann als Interessengemeinschaft und als Sprachrohr verschiedener Milieus in der Politik dienen, oder als Networking-Markt soziale Mobilität fördern und als Ersatz für eine Gemeinschaft in einer isolierenderen und vereinsamenden Gesellschaft dienen.

Die teleologische Dimension wird aber darin deutlich, dass „Kirche“ im Endeffekt darauf abzielt, einzig zu werden. „Kirche“ spricht mit Wahrheitsanspruch in die Welt, weil ihr die Offenbarung Gottes teil wurde. Es gibt also keine Wahrheit neben „Kirche“, sodass alles, was in Wahrheit gründet, aus „Kirche“ fließen muss. Wo „Kirche“ heute also nur eine Dimension des „Staates“ oder des Menschen ist, muss sie endgültig einzig werden. Diese Erkenntnis wird darin deutlich, dass das „Teil-Der-Kirche-Sein“ nur eine Dimension der Identität der Menschen ist. Am Ende aber soll das „Kirche-Sein“ der Menschen die einzig relevante Dimension der Menschen sein. Alles andere wird in diese Dimension hineingenommen. Wenn „Kirche“ nur eine Dimension in der Gesellschaft ist, dann will sie zum Schluss, dass Gesellschaft „Kirche“ wird. So wie Gott einzig ist, muss „Kirche“ einzig werden. Es ist diese teleologische Dimension, die schon jetzt aus ihrem „Daneben-Sein“ in alle anderen Dimensionen hineinstrahlt und sie in Anspruch nehmen will.

Genauer zu betrachten ist dieser Begriff des „Werdens“. „Kirche“ ist stetig im „Werden“, stets in Veränderung. Es ist nicht die „Kirche“ von heute, die morgen einzig sein kann, schon allein aus dem Grund, dass „Kirche“ heute nicht einzig ist.

„Kirche“ könnte also folgendermaßen definiert werden: „Kirche“ zeichnet sich dadurch aus, das sie heute neben allem ist, durch alle wirkt und zu allem wird.

One Comment

  • Philipp

    Ein kurzes Gedankenspiel zu Kirche. Ich würde gerne später einen weiteren Artikel schreiben, um weiter auf bestimmte Aspekte einzugehen. Beispielsweise müsste der Aspekt des „Wahrheitsanspruchs“ noch weiter diskutiert werden. Und dann ist diese Definition natürlich noch mit Inhalt zu füllen.

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